Aus der Komfortzone: Wie eine Hüttennacht mein Leben veränderte

Aus der Komfortzone: Wie eine Hüttennacht mein Leben veränderte

Angela aus Niedersachsen, Hotelkauffrau 30+
hike2happy im Tennengebirge

Bei der Anreise zu unseren Treffpunkt nach Salzburg dachte ich, was mache ich da? Ich kenne den Typen ja nur aus Telefonaten und jetzt gehe ich gleich mehrere Tage mit ihm wandern inklusive Übernachtungen auf Hütten oder, was sich sonst noch findet. Ich war bereit meine Komfortzone zu verlassen was Verrücktes zu machen, aber mich in Gefahr bringen, das wollte ich nicht. Wir trafen uns am Bahnsteig und noch in der ersten Minute bestätigte sich mein Eindruck vom Telefon. Wir verstehen uns gut und ich bin bei Miguel gut aufgehoben. Also los geht´s. Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen.

Viele Jahre her war ich mit einer großen Gruppe in den Dolomiten und im Himalaya wandern, aber jetzt hier das erste Mal nur zu zweit. Das war ganz anders. Wir konnten gehen, pausieren, essen und reden wie und wann wir wollten. Eines konnten wir nicht kontrollieren, die Schlechtwetterfront die im Anmarsch war. Eigentlich hätte ich das billigere Zelt in der wilden Natur bevorzugt, aber die Erfahrung von Miguel überzeugte mich. Für die erste Nacht steuern wir eine Hütte an. Die Gespräche und das Wandern fühlten sich stellenweise wie eine Therapie an. Sowas Intensives hatte ich nicht erwartet, aber ich realisierte es lag am Gepäck, das ich mit mir trug. Nicht mein Rucksack, sondern das Gepäck in mir drinnen. Er redet gerne, er hört gern zu und es kam Zeug aus mir heraus, dass ich so schnell noch nie jemand erzählt habe. So kannte ich mich nicht.

Nach etwa 2 Stunden fing die Müdigkeit an. Die Drogen, die mir Miguel gab, pushten mich für weitere 40min den Aufstieg zur Hütte rauf. Aber dann wirkte der Zucker nicht mehr. Es fing zu tröpfeln an und ich wollte umdrehen. Miguel sagte: “Was ist dir lieber zwei Stunden Abstieg in die Ortschaft, in der wir eine Unterkunft suchen müssen oder 20min Aufstieg zu der Hütte, bei der wir wissen das wir unterkommen?“ Ich war aus meiner Komfortzone draußen, wollte absteigen dorthin wo ich schon Mal war. „Schaut aus als muss ich die Frage für dich beantworten. Die Hütte ist die 20 Minuten außerhalb der Komfortzone auf alle Fälle wert“.
Mir kam die Erinnerung wie ich zwei Mal nur Wochen vor Abschluss einer Ausbildung abbrach.

Er hatte recht. Die Hütte war die Anstrengung wert. Die Bewirtschafter jung, die warme Suppe ein Schmaus und der Regen die ganze Nacht durch machte, meine erste Nacht im Lager einer Berghütte wirklich gemütlich. Beim Frühstück offenbarte mir Miguel, dass die Wettervorhersage sich stetig verschlechtert hat und wir aktuell mit 3 Tage Dauerregen rechnen müssen.  Wie am Vorabend, kamen mir jetzt zum zweiten Mal die Tränen. Wo habe ich mich da hinein bugsiert? Die Wanderung und meine Entscheidungen im Leben brachten mich in eine Lage, wo rundherum nur Schlechtwetter herrscht. Wie komme ich da wieder raus?
Eine Angestellte bot mir an mich ins Tal mit zu nehmen. Und in meinem Leben akzeptiere ich auch die Hilfe, die mir angeboten wurde und baute auf diese, um mit eigener Kraft auf meinen Baustellen zu arbeiten. Seit der Wanderung ging einiges weiter. Heute 2 Jahre später erzählte ich Miguel wie meine Baufortschritte mich freudiger und zugänglicher machten und dann kam Unerwartet ganz ohne Baggerarbeiten die lang ersehnte Traumbeziehung.

Er antwortete: “Die schwierigen Wege führen an die schönsten Plätze.“