Ohne Plan durch Madeiras Wunder – eine Woche mit überraschender Kulinarik und Seelenruhe
Lieber Miguel, herzlichen Dank, dass ich ein zweites Mal mit dir wandern durfte.
Nur das notwendige zu packen war beim Zweiten Mal um auf einen 6kg Rucksack zu kommen schon fast Routine. Beim Städtetrip wiegt mein Koffer mehr und da habe ich keine warme Jacke, Schlafmatte oder Schlafsack mit.
Keine Pläne, keine Gipfel, kein Nebel
Dein Prinzip, keine Pläne zu haben, sondern nur Ideen, die man auch schnell anpassen kann, war diesmal Gold wert. Der Nebel hat uns von der ursprünglichen Idee, die Berggipfel von Madeira zu erklimmen, abgebracht, doch dann verzauberte mich die Küstenlandschaft der Insel.
Natur bei der Süd- Nordquerung
Am zweiten Tag querten wir die Insel vom Süden nach Norden. Dabei zeigte sich Madeira in seiner Vielfalt: beginnend mit Levadas in Eukalyptuswäldern mit unvorstellbar hohen Bäumen, über märchenhaft anmutende, moosbewachsene Lorbeerbäume bis zu moorigen Kiefernwäldern, bis wir den Pass erreichten.
Wanderkulinarik mit zwei Nachspeisen
Der dritte Tag führte uns entlang der Nordküste bis zur östlichen Spitze Madeiras. Das Käsefondue aus deiner kleinsten „Wanderküche“ schmeckte so gut, dass wir ab diesem Tag für unsere Mittagspausen im Freien eine wunderbare Dynamik entwickelten: Nach dem Dessert legten wir als Nachspeise einen Mittagschlaf ein.
Alleine wo sonst viele Leute sind
Unseren Zeltplatz, 5 m vom rauschenden Meer entfernt, errichteten wir erst in der Finsternis, und du zeigtest mir, dass das Zeltaufstellen mit Taschenlampe im Dunkeln keineswegs länger dauerte.
Am nächsten Morgen offenbarte uns das Tageslicht die Pracht der Umgebung. Wir genossen Sie für uns alleine; erst in den letzten 30 Minuten auf dem Rückweg setzte der Touristenstrom ein. Nach dem obligatorischen Pastel de Nata Frühstück in einer Pastelaria verblüfftest du mich mit einer kurzen Wanderung zwischen zwei Orten, bei der ich mich – obwohl der Zivilisation so nahe – komplett in der Einsamkeit der Natur fühlte.
Übernachtung in verlassener Spitzhütte
Highlight der Woche war die nächste Nacht am Fuße der 300 m hohen Steilküste, die nur über einen 4-stündigen Wanderweg erreichbar war. Eine verlassene, aber noch gut erhaltene, typische madeirische Spitzhütte (Casas Típicas de Santana) gleich an der brausenden Atlantikküste diente uns als Unterkunft. Begrüßt wurden wir von einem Regenbogen, der uns fast schon den Weg zu dieser Hütte zeigen wollte. Das Brausen der 4 m hohen Atlantikwellen verlieh dieser Atmosphäre eine wahnsinnige Gemütlichkeit.
Wer hat das Licht abgedreht?
Die nächste Wanderung führte uns entlang einer Levada durch 11 Tunnel; der längste war 1,5 km, und es war Tag, als wir hineingingen, und Nacht, als wir herauskamen.
Kulinarische Highlight zum Abschluss
Am letzten Tag wanderten wir mit wunderschöner Aussicht und mehreren Wasserfällen. Kulinarisch hattest du aber noch Steigerungen vorbereitet: gegrillte Shrimps zu Mittag und am Abend in Öl gebackene Käsekroketten – das toppte sogar das Schokofondue vom ersten Tag, für das du extra eine Melone hinaufgetragen hast. Du hattest mit jedem Essen eine doppelte Freude. Dein Magen wurde voller und dein Rucksack leichter.
Mein Rucksack wurde jetzt auch im Alltag leichter
Ich genieße es ab und zu die Fotos anzusehen und das unbeschreibliche Gefühl der Entspannung von der Wanderung kommt dabei gleich zurück. Es erinnert mich wie wenig nötig ist um Glück zu finden. Ich danke Dir für die unvergessliche Woche in seelischer Schwerelosigkeit. Einen Teil davon nahm ich mir in den Alltag mit. Ich lasse ein paar Dinge zurück und mein Rucksack wird leichter.








