Marathon nach Grenoble — als David verschwand

Marathon nach Grenoble — als David verschwand

1-2 Wandertage südwestlich von Grenoble wanderte ich durch ein kleines französisches Schigebiet. Groß war die Freude als sich herausstellte, dass eine Hütte neben dem großen und leeren Schiparkplatz jetzt im Früherbst nachmittags offen hatte. In der Schisaison arbeiten dort mehr als 10 Personen und ich fand dort einen Mann beim sauber machen des Lokals.

Est que je peux manger quelque chose?

Je suis en train de nettoyer la cabane. Je peux seulement te proposer à boire et du gâteau.

Also bestellte ich 3 übergebliebene Kuchen und ein Bier. Meine Wanderung nach Istanbul weckte Interesse und David lud mich auf ein weiteres Bier und eine heiße Schokolade ein. Es folgte Baguette und Taboulé. Während er die Kassa abrechnete und den Boden kehrte erzählte ich was für eine Freude dieses Essen ist, denn als Weitwanderer esse ich doppelt so viel wie sonst. Daraufhin zeigte er mir sein französisches Geheimrezept. Brie oder war es Camembert zusammen mit Baguette für zwei Minuten in der Mikrowelle. Zu lang. Die Ausdauer um von Portugal hierher zu wandern hatte ich bewiesen aber an diesem zähen und gleichzeitig harten Ding vor mir am Teller war ich am Scheitern.

Er sagte: „In 45 Minuten bin ich mit meiner Arbeit hier fertig, und ich kann dich in die nächste Ortschaft fahren.“ Ich hatte keine Lust auf einen Marathon nach Grenoble, denn dort wartete ab morgen ein Freund, um ein paar Tage gemeinsam den Weg nach Istanbul zu gehen. Bald wurde es dunkel. Nach dem letztem Bissen 20 Minuten später willigte ich ein.

Er sperrte den Eingang von Innen ab und wir gingen gemeinsam durch ein paar schmutzige und unordentliche Räume aus dem Hinterausgang. Vorm Auto griff er sich an die Hosentaschen und sagte:“ Je suis desloleé. I´ll be back I have to get the keys.“ Fünf Minuten später kam er wieder durch den Hinterausgang zum Auto griff sich an die Hosentasche und sagte: „ Merde! The keys. Wait for me I´ll be back.“
Es wurde dunkel mir wurde kalt. Nach 30 Minuten ging ich zur Hintertür steckte meinen Kopf rein und rief: „David! David!“.

Keine Antwort.

Also wanderte ich im Dunkeln bis spät in die Nacht weiter Richtung Grenoble.

Autor: Miguel Rasinger, Weitwanderer ~4000km pro Jahr, befugter Bergwanderführer und Inhaber von hike2happy. Bei seinen Reisen zu Fuß erlebt er viel in der Natur mit Menschen und in seinem Kopf; mit den Auszeiten entstehen Geschichten, Anekdoten und Einsichten. Humorvoll, unbeschwert, ehrlich und lehrreich.

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